Aujeszky-Virus beim Jagdhund

Informationen zum Infektionsrisiko beim Jagdhund

Erstellt am 15.09.2015

Liebe Jägerinnen und Jäger,

in den letzten Jahren wurde die Jägerschaft wiederholt durch Meldungen, nach welchen sich Jagdhunde im Rahmen der Jagdausübung auf Schwarzwild mit dem Aujeszky-Virus (AKV) infiziert haben und in Folge dieser Infektionen verendet sind, aufgeschreckt. Im Dezember 2014 ist erneut ein Jagdhund im Raum Kelheim nach dem Jagdeinsatz verendet. Das Vorliegen des AK-Virus wurde amtlich bestätigt.

Dies gibt erneut Anlass, die Viruserkrankung und die damit verbundenen Besonderheiten sowie Vorsichtsmaßnahmen vorzustellen:Beim Erreger der sogenannten Aujeszkyschen Krankheit (AK) handelt es sich um ein Herpesvirus.Neben Schweinen sind besonders Hunde, Katzen und Wiederkäuer, aber auch Nagetiere und Hasenartige infektionsanfällig. Außer Schweineartigen sind alle anderen Tierarten „Endwirte“, die zwar erkranken, das Virus aber nicht weitergeben können. Bei diesen verläuft die Krankheit ausnahmslos tödlich, es bestehen keinerlei Therapiemöglichkeiten. Menschen sind nicht für das Virus empfänglich.Gemeinsames Merkmal aller Herpesviren ist die lebenslange Verborgenheit und Verweildauer im Organismus. Sauen, die sich einmal infiziert haben, bleiben lebenslang Virusträger obwohl der Organismus Antikörper gegen das Virus entwickelt. Bekannt ist uns dieses Phänomen vom humanen Herpes-simplex Virus und den wiederkehrenden Lippenbläschen, die Zeichen einer Reaktivierung des Virus durch bestimmte innere und äußere Faktoren sind. Unter Stressbedingungen, die zu einer Beeinträchtigung des Immunsystems des betreffenden Tieres führen, kann es dann zu einer Reaktivierung und Ausscheidung des Virus kommen.

Grundsätzlich ist jede als gesund erlegte Sau als eine potenzielle Infektionsquelle für Hunde anzusehen. Man sieht den Sauen nicht an, ob sie sie sich schon einmal infiziert haben und das Virus nun in ihnen „schlummert“ oder sie gerade Virus ausscheiden.Die Nutzschweinbestände im deutschsprachigen Raum sind zwar seit einigen Jahren frei vom Erreger der AK, die Wildschweinpopulation stellt jedoch ein Reservoir für das Virus dar. Diese Virus-tragende Schwarzwildpopulation stellt die bedeutendste potentielle Eintragsquelle in die Nutztierbestände dar und muss aber auch als Gefährdungspotential für unsere Jagdhunde angesehen werden.

Die Infektion geht bei Hunden in der Regel über das Maul, d.h. über eine orale Aufnahme des Virus einher. Das passiert zum einen über das Fressen Virus-haltigen Organmaterials (Aufbruch) oder das Aufschlecken von Schweiß oder Speichel, aber auch über Wunden in der Mundschleimhaut des Hundes oder über Bissverletzungen durch die Wildschweine. Dazu ist zu bemerken, dass das Virus gegenüber Sonnenlicht und Trockenheit sehr widerstandsfähig ist und somit auch in der Umwelt mehrere Wochen infektiös sein kann (Problem u.a. Malbäume im Winter).Die Zeit zwischen Infektion und Auftreten der ersten klinischen Symptome dauert in der Regel 3 – 5 Tage, innerhalb der nächsten 16 – 48 Stunden verstirbt der Hund, Heilung gibt es keine.

Um unseren für eine waidgerechte Jagd unbedingt notwendigen vierbeinigen Jagdhelfern das Recht auf größtmöglichen „Tierschutz“ zu ermöglichen, muss das Ansteckungsrisiko für den Jagdhund reduziert werden.Daher ist die Verfütterung von rohem Schwarzwildbret oder Aufbruch ein absolutes Tabu. Hunde sind vom Streckenplatz und Aufbruchplätzen fernzuhalten.Das Infektionsrisiko für unsere Hunde bei der Jagdausübung zu reduzieren, ist dagegen nur schwer möglich.Direkte Kontakte von Hunden zu Schwarzwild, egal ob zu lebenden oder toten Stücken, sollten auf ein Minimum reduziert werden. Hunde, die Sauen scharf angehen oder die Beute in Besitz nehmen wollen, sind besonders gefährdet. Vierläufern, die Sauen nur hoch machen und verbellen, aber nicht packen, ist der Vorzug zu geben. Es ist äußerst wichtig, die Hunde nicht unbeobachtet laufen zu lassen. Der kontrolliert am Schweißriemen arbeitende Nachsuchenhund ist vergleichsweise weniger gefährdet.Eine Gefährdung der an den Sauen arbeitenden Hunde durch die Erreger der Aujeszkyschen Krankheit mit fatalem Ausgang ist prinzipiell möglich. AK-Infektionen bei Jagdhunden sind zwar bislang eher seltene Ereignisse, ein Nullrisiko gibt es allerdings nicht, denn gänzlich lässt sich der Kontakt bei der Jagdausübung zwischen Hund und Sau natürlich nicht vermeiden. Das Risiko kann aber durch die genannten Maßnahmen deutlich verringert werden.

Es liegt im Verantwortungsbereich jedes einzelnen Jagdhundeführers, die Art und Weise des Einsatzes seines Vierläufers festzulegen.Hilfreich wäre es natürlich, die Erregerhäufigkeit, die so genannte Prävalenz, in den Revieren etwa zu kennen und so das Risiko bezüglich des Einsatzes der Jagdhunde von Fall zu Fall abwägen zu können.Seit dem Jahr 2012 ist das Bayern weite, landkreisbasierte Schweinepest-Monitoring um den serologischen Nachweis (= Antikörper-Nachweis) von AKV erweitert worden. Der Nachweis von Antikörpern gegen das Virus zeigt eine Infektion des untersuchten Schweines an, lässt aber keine Aussage über dessen Gesundheitszustand zu, serologisch positive Tiere sind im Regelfall klinisch gesund.Mittlerweile sind in allen Regierungsbezirken Prävalenzen von 1% bis fast 20% (im Mittel 12%, Datenlage 12/2014) zu verzeichnen.

Grundsätzlich ist aber festzustellen, dass das Infektionsrisiko, trotz der Tragik für die im Einzelnen betroffenen Tiere und deren Halter, in der Gesamtheit keinen Anlass zur Panik gibt.

Mit Waidmannsheil!

Erstellt am 15.09.2015
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